Eine notwendige, wenn auch noch nicht hinreichende Voraussetzung, um erfolgreich Wissen und Kompetenzen vermitteln zu können, ist das eigene Beherrschen der selbigen. Wie mehrere Studien zeigen, kann man trotz mehr als zehnjähriger mathematischer schulischer Ausbildung nicht davon ausgehen, dass Studierende an einer tertiären Bildungseinrichtung auch tatsächlich über Eigenkompetenzen in ausreichendem Ausmaß verfügen.
Erklärungsversuche gehen zum einen dahin, dass im Laufe der Sekundarstufe bei vielen Schülerinnen und Schülern durch die Verwendung von elektronischen Hilfsmitteln (Taschenrechner) die Fähigkeit des Kopfrechnens verkümmert. Zum anderen sehen wir, dass grundlegende mathematische Inhalte bei vielen Maturantinnen und Maturanten nicht im Sinne von Kompetenzen (F. E. Weinert, 2002, S. 27 f) verfügbar sind, weil sie das Lösen von mathematischen Beispielen oft als das Durchführen von unverstandenen Prozeduren praktiziert haben. Die Lernenden haben es mitunter aufgegeben, die Inhalte zu verstehen und die Zusammenhänge zu ergründen. Sie verwenden mitunter Formeln und Algorithmen unverstanden und wenn sie diese vergessen haben, sind sie nicht in der Lage, auf anderen Wegen zu Lösungen zu kommen.
Langjährige Erfahrung in der Ausbildung an tertiären Bildungseinrichtungen, sowie Studien zeigen, dass es notwendig ist, basale mathematische Kompetenzen bei vielen Studierenden zumindest aufzufrischen und teilweise sogar erstmalig wahres Verständnis (und damit die Grundlage für eine folgende didaktische Ausbildung) zu fördern. Unserer Meinung nach reicht es zum Beispiel nicht, dass Studierende eine Division mit Brüchen rein formal ausführen können. Wir halten es für notwendig, dass sie diese zum Beispiel auch grafisch darstellen und in Form einer Rechengeschichte in konkreten Sachsituationen wiedergeben können. Es soll bei den Studierenden u.a. ein Operationsverständnis im Sinne von Gerster (2004, S. 352) aufgebaut bzw. gefestigt werden, das sie befähigt, kompetenzorientierten Mathematikunterricht durchzuführen.
In diesem Sinne würden wir uns freuen, wenn dieses Buch auch ein Anstoß wäre, dass öster- reichweit ein Diskurs zum Aufbau von Eigenkompetenzen bei Studierenden für das Lehramt Primarstufe gestartet wird.
Ganz bewusst haben wir uns in Hinblick auf Zielgruppe und Zweck in diesem Buch dazu entschieden, zwar korrekt, aber nicht rigoros mathematische Sachverhalte darzustellen.
Das Mathematik-Didaktikteam der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule der Diözese Graz- Seckau (KPH Graz)